Boris Becker
geb. Boris Franz Becker
Deutscher Tennisspieler, sechsfacher Grand-Slam-Sieger, Olympiasieger und Trainer
Lebenslauf
Boris Franz Becker wurde am 22. November 1967 in Leimen bei Heidelberg geboren. Sein Vater Karl-Heinz Becker war Architekt und errichtete das Tenniszentrum Blau-Weiß Leimen, in dem Boris früh mit dem Sport in Berührung kam. Seine Mutter Elvira unterstützte die aufwendige Ausbildung ihres Sohnes. Becker begann im Kindesalter regelmäßig zu trainieren und wurde später vom Deutschen Tennis Bund gefördert. Zu seinen wichtigsten Begleitern am Beginn der Profikarriere gehörten Trainer Günther Bosch und Manager Ion Țiriac. 1984 wechselte Becker im Alter von 16 Jahren ins Profilager.
Der historische Wimbledon-Sieg von 1985
Seinen ersten bedeutenden Tourtitel gewann Becker im Juni 1985 auf dem Rasen des Londoner Queen’s Club. Wenige Wochen später schrieb er in Wimbledon Sportgeschichte. Am 7. Juli 1985 besiegte er im Finale den US-Amerikaner Kevin Curren in vier Sätzen. Mit 17 Jahren und 227 Tagen wurde Becker zum jüngsten Sieger des Herreneinzels in Wimbledon. Er war außerdem der erste ungesetzte Spieler und der erste Deutsche, der den Titel im Herreneinzel des Turniers gewann.
Der Erfolg machte ihn über Nacht zu einem der bekanntesten Menschen in Deutschland. Seine spektakulären Sprünge und Hechtvolleybälle, sein kraftvoller Aufschlag und sein emotionales Auftreten begeisterten ein großes Publikum. Wegen seines druckvollen Spiels erhielt er den Spitznamen „Bum-Bum-Boris“. 1986 verteidigte Becker seinen Wimbledon-Titel mit einem Finalsieg gegen Ivan Lendl.
Erfolge in Wimbledon, New York und Melbourne
Beckers erfolgreichstes Jahr war 1989. Er gewann zum dritten Mal Wimbledon, bezwang im Endspiel Stefan Edberg und holte anschließend bei den US Open gegen Ivan Lendl seinen ersten Major-Titel außerhalb Londons. Mit der deutschen Mannschaft verteidigte er zudem den Davis Cup, den das Team bereits 1988 erstmals gewonnen hatte. Beckers Duelle mit Edberg, Lendl, John McEnroe, Andre Agassi und später Pete Sampras gehörten zu den prägenden Begegnungen seiner Epoche.
1991 gewann Becker die Australian Open und erreichte erstmals Platz eins der Weltrangliste. Insgesamt stand er zwölf Wochen an der Spitze. Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona gewann er gemeinsam mit Michael Stich die Goldmedaille im Doppel. Seinen sechsten und letzten Grand-Slam-Titel errang Becker 1996 bei den Australian Open. In seiner gesamten Laufbahn gewann er 49 Einzel- und 15 Doppeltitel. Er erreichte sieben Wimbledon-Endspiele und triumphierte dort dreimal.
Spielweise und Bedeutung für das deutsche Tennis
Becker war ein offensiv ausgerichteter Spieler, dessen Stärken besonders auf schnellen Belägen zur Geltung kamen. Nach einem harten ersten Aufschlag rückte er häufig unmittelbar ans Netz vor. Seine kraftvollen Volleys, die beidhändige Rückhand und seine Bereitschaft, sich nach weit entfernten Bällen zu werfen, machten ihn unverwechselbar. Auf Sand erreichte er zwar dreimal das Halbfinale der French Open, gewann aber keinen Einzeltitel auf diesem Belag.
Gemeinsam mit Steffi Graf löste Becker in den 1980er-Jahren einen Tennisboom in Deutschland aus. Fernsehsender übertrugen seine Spiele bis spät in die Nacht, Mitgliederzahlen in Vereinen stiegen und Tennis wurde zeitweise zu einer der populärsten Sportarten des Landes. Besonders seine Einsätze im Davis Cup besaßen große öffentliche Bedeutung. Seine Bilanz im Einzel des Mannschaftswettbewerbs lautete 38 Siege bei nur drei Niederlagen.
Karriereende und Arbeit als Trainer
Am 30. Juni 1999 verlor Becker in Wimbledon im Achtelfinale gegen Patrick Rafter und erklärte anschließend seine aktive Karriere für beendet. 2003 wurde er in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen. Danach arbeitete er als Kommentator, Analyst, Autor und Unternehmer. Von Ende 2013 bis 2016 gehörte er als Cheftrainer zum Team von Novak Djokovic. Während der Zusammenarbeit gewann Djokovic sechs Grand-Slam-Titel, darunter 2016 erstmals die French Open, und hielt zeitweise alle vier Major-Trophäen gleichzeitig. Becker betreute später kurzzeitig auch Holger Rune.
Finanzielle und juristische Probleme
Das Leben nach der Sportkarriere war wiederholt von finanziellen und juristischen Problemen geprägt. 2002 verurteilte ein Münchner Gericht Becker wegen Steuerhinterziehung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe. 2017 wurde er in Großbritannien für insolvent erklärt. Im April 2022 verurteilte ihn ein Londoner Gericht wegen vier Verstößen gegen das britische Insolvenzrecht zu zweieinhalb Jahren Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er Vermögenswerte und Kredite nicht ordnungsgemäß offengelegt hatte.
Becker verbüßte rund acht Monate seiner Strafe, wurde am 15. Dezember 2022 vorzeitig entlassen und anschließend nach Deutschland abgeschoben. 2024 hob ein britisches Gericht die Aussetzung seiner Entlassung aus dem Insolvenzverfahren auf, nachdem Becker eine Vereinbarung mit Gläubigern getroffen hatte. Er sprach später offen über die Haft, persönliche Fehlentscheidungen und den Versuch, sein Leben neu aufzubauen.
Privatleben und Familie
Boris Becker war zunächst mit Barbara Becker und später mit Sharlely „Lilly“ Becker verheiratet. Seit September 2024 ist er mit der Risikoanalystin Lilian de Carvalho Monteiro verheiratet. Becker ist Vater von fünf Kindern: Noah, Elias, Anna, Amadeus und Zoë Vittoria, die im November 2025 geboren wurde. Nach seiner Haftentlassung lebte er mit seiner Familie in Italien und nahm seine Tätigkeit als Tennisexperte, Redner und Autor wieder auf.
Vermächtnis
Boris Becker gehört zu den erfolgreichsten deutschen Tennisspielern der Geschichte. Sein Wimbledon-Triumph im Alter von 17 Jahren bleibt einer der bekanntesten Momente des deutschen Sports. Sechs Grand-Slam-Titel, olympisches Gold, die Führung der Weltrangliste und zwei Davis-Cup-Siege begründen seinen sporthistorischen Rang. Zugleich ist sein öffentliches Bild von privaten Krisen, finanziellen Fehlentscheidungen und strafrechtlichen Verurteilungen geprägt. Gerade dieser Gegensatz zwischen frühem Weltruhm, sportlicher Größe und späterem Absturz macht seine Biografie außergewöhnlich. Als Spieler veränderte Becker mit seinem kraftvollen Serve-and-Volley-Tennis die Wahrnehmung des Sports; als Trainer trug er später zu einer besonders erfolgreichen Phase Novak Djokovics bei.
Lebens-Timeline
Zitate
I’m going on court to win, to fight, to do what I can.
They called me a phenomenon. There’s a German word, wunderkind, the wonder boy.
Häufige Fragen
Wann und wo wurde Boris Becker geboren?
Wie alt war Boris Becker bei seinem ersten Wimbledon-Sieg?
Wie viele Grand-Slam-Titel gewann Boris Becker?
War Boris Becker die Nummer eins der Tenniswelt?
Warum war Boris Becker im Gefängnis?
Quellen
International](https://www.atptour.com/en/players/boris-becker/b028/bio
International) Tennis Hall of Fame – Boris Becker/[https://www.tennisfame.com/hall-of-famers/inductees/boris-becker
Reuters](https://www.tennisfame.com/hall-of-famers/inductees/boris-becker
Reuters) – Entlassung aus dem britischen Insolvenzverfahren/[https://www.reuters.com/world/uk/boris-becker-be-discharged-bankruptcy-lawyer-2024-04-25/
ATP](https://www.reuters.com/world/uk/boris-becker-be-discharged-bankruptcy-lawyer-2024-04-25/
ATP) Tour – Historischer Wimbledon-Sieg und Weg zur Nummer eins/[https://www.atptour.com/en/news/atp-no-1-club-docuseries-part-2-becker-feature](https://www.atptour.com/en/news/atp-no-1-club-docuseries-part-2-becker-feature)
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