Franz Beckenbauer
geb. Franz Anton Beckenbauer
Deutscher Fußballspieler, Weltmeister als Kapitän und Teamchef sowie prägender Libero
Lebenslauf
Franz Anton Beckenbauer wurde am 11. September 1945 in München geboren und wuchs im Arbeiterviertel Giesing auf. Sein Vater Franz war Postbeamter, seine Mutter Antonie kümmerte sich um die Familie. Schon als Kind spielte Beckenbauer auf den Straßen und Plätzen seines Viertels Fußball. Zunächst gehörte er dem SC München von 1906 an, ehe er 1959 in die Jugendabteilung des FC Bayern München wechselte. Der Verein war damals noch kein nationaler Spitzenklub. Beckenbauer wurde jedoch Teil einer außergewöhnlichen Generation um Sepp Maier und Gerd Müller, die den Aufstieg der Bayern entscheidend prägte.
Durchbruch beim FC Bayern
Am 6. Juni 1964 debütierte Beckenbauer in der ersten Mannschaft des FC Bayern und erzielte beim 4:0 gegen den FC St. Pauli in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga sofort ein Tor. 1965 gelang den Münchnern der Sprung in die höchste deutsche Spielklasse. Beckenbauer begann seine Laufbahn als offensiver Mittelfeldspieler, entwickelte sich aber zunehmend zum Libero. In dieser Rolle agierte er hinter der Abwehr, leitete Angriffe ein und rückte selbst mit dem Ball nach vorn. Mit seiner eleganten Haltung, seinem Spielverständnis und seiner Ruhe prägte er die moderne Interpretation dieser Position.
Mit Bayern gewann Beckenbauer vier deutsche Meisterschaften und viermal den DFB-Pokal. Hinzu kamen der Europapokal der Pokalsieger 1967, der Weltpokal 1976 und von 1974 bis 1976 drei Siege in Folge im Europapokal der Landesmeister, dem Vorläufer der Champions League. In der Bundesliga bestritt er für Bayern 396 Spiele und erzielte 44 Tore. 1972 und 1976 erhielt er den Ballon d’Or als Europas Fußballer des Jahres.
Welt- und Europameister mit Deutschland
Sein erstes Länderspiel absolvierte Beckenbauer am 26. September 1965 gegen Schweden. Bereits bei der Weltmeisterschaft 1966 erreichte er mit der deutschen Mannschaft das Finale gegen England. Vier Jahre später spielte er im berühmten WM-Halbfinale gegen Italien trotz einer ausgekugelten Schulter weiter, weil Deutschland das Wechselkontingent bereits ausgeschöpft hatte. Die Mannschaft verlor das als „Jahrhundertspiel“ bekannte Duell mit 3:4 nach Verlängerung.
1972 führte Beckenbauer die Bundesrepublik Deutschland als Kapitän zum ersten Europameistertitel. Den Höhepunkt seiner Spielerkarriere erlebte er am 7. Juli 1974 im Münchner Olympiastadion. Nach einem 2:1 im Finale gegen die Niederlande nahm er als Kapitän den WM-Pokal entgegen. Insgesamt bestritt er 103 Länderspiele, alle von Beginn an, und erzielte 14 Tore. In 50 Partien trug er die Kapitänsbinde. Sein letztes Länderspiel fand am 23. Februar 1977 gegen Frankreich statt.
New York Cosmos und Hamburger SV
1977 wechselte Beckenbauer zu New York Cosmos in die nordamerikanische Profiliga NASL. Dort spielte er zeitweise an der Seite von Pelé und gewann mit dem Klub dreimal die Meisterschaft. Der Transfer machte ihn auch in den Vereinigten Staaten zu einem bekannten Sportstar. 1980 kehrte er nach Deutschland zurück und schloss sich dem Hamburger SV an. Mit dem HSV wurde er 1982 noch einmal deutscher Meister. Nach einer letzten Saison bei Cosmos beendete er 1983 seine aktive Laufbahn.
Weltmeister als Teamchef
1984 übernahm Beckenbauer ohne klassische Trainerlaufbahn die deutsche Nationalmannschaft als Teamchef. Bei der Weltmeisterschaft 1986 führte er die Auswahl bis ins Finale, das Argentinien mit 3:2 gewann. Vier Jahre später erreichte Deutschland erneut das Endspiel gegen Argentinien. Am 8. Juli 1990 siegte die Mannschaft in Rom durch einen verwandelten Elfmeter von Andreas Brehme mit 1:0. Beckenbauer wurde damit nach dem Brasilianer Mário Zagallo erst der zweite Mann, der als Spieler und als Trainer beziehungsweise Teamchef Weltmeister wurde.
Nach dem WM-Triumph arbeitete er kurzzeitig bei Olympique Marseille. Später übernahm er den FC Bayern in zwei Übergangsphasen als Trainer. 1994 gewann er mit dem Verein die deutsche Meisterschaft, 1996 den UEFA-Pokal. Seine ruhige, auf die Eigenverantwortung der Spieler setzende Art unterschied sich deutlich von streng taktisch ausgerichteten Trainern.
Präsident, Funktionär und WM 2006
Von 1994 bis 2009 war Beckenbauer Präsident des FC Bayern München. Zusätzlich führte er von 2002 bis 2009 den Aufsichtsrat der ausgegliederten FC Bayern München AG und wurde danach Ehrenpräsident. In dieser Zeit entwickelte sich der Klub sportlich und wirtschaftlich zu einem der führenden Vereine Europas.
Beckenbauer leitete außerdem das deutsche Bewerbungskomitee für die Weltmeisterschaft 2006 und anschließend das Organisationskomitee des Turniers. Die WM wurde wegen der ausgelassenen Stimmung als „Sommermärchen“ bekannt. Jahre später gerieten die Vergabe und eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro in den Mittelpunkt von Ermittlungen und öffentlichen Debatten. Beckenbauer wies den Vorwurf zurück, Stimmen für die Vergabe gekauft zu haben. Ein FIFA-Ethikverfahren wurde 2021 wegen Verjährung eingestellt; zu einem Urteil über die Bestechungsvorwürfe kam es nicht.
Privatleben und Gesundheit
Beckenbauer war dreimal verheiratet: mit Brigitte Beckenbauer, Sybille Beckenbauer und seit 2006 mit Heidi Burmester. Er hatte fünf Kinder. Sein Sohn Stephan, der ebenfalls Profifußballer und später Nachwuchstrainer beim FC Bayern war, starb 2015. In seinen späteren Lebensjahren zog sich Beckenbauer wegen gesundheitlicher Probleme zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Er lebte mit seiner Familie überwiegend in Salzburg.
Tod und Vermächtnis
Franz Beckenbauer starb am 7. Januar 2024 im Alter von 78 Jahren in Salzburg. Nach Angaben seiner Familie schlief er friedlich im Kreis seiner Angehörigen ein. Sein Tod löste weltweit Anteilnahme aus. Der FC Bayern veranstaltete eine große Gedenkfeier in der Allianz Arena, und zahlreiche Weggefährten würdigten seine sportliche und persönliche Bedeutung.
Beckenbauer gilt als einer der größten Fußballer des 20. Jahrhunderts. Er verband defensive Übersicht mit offensiver Kreativität und machte den Libero zu einer spielbestimmenden Position. Als Kapitän, Teamchef und Funktionär prägte er den deutschen Fußball über mehrere Jahrzehnte. Seine sportlichen Erfolge, seine Leichtigkeit am Ball und sein Einfluss auf den Aufstieg des FC Bayern begründeten den Beinamen „Kaiser“. Die Kontroversen um die WM 2006 gehören ebenso zu einer vollständigen Bewertung seines Lebens. Unbestritten bleibt jedoch, dass nur wenige Persönlichkeiten den internationalen Fußball als Spieler, Trainer und Funktionär in vergleichbarer Weise beeinflusst haben.
Lebens-Timeline
Zitate
Geht's raus, habt Spaß und spielt's Fußball.
Ich glaube, dass die deutsche Mannschaft über Jahre hinaus nicht zu besiegen sein wird.
Das Einzige, was sich in der ersten Hälfte bewegt hat, war der Wind.
Häufige Fragen
Wann und wo wurde Franz Beckenbauer geboren?
Wann und wo starb Franz Beckenbauer?
Wie oft wurde Franz Beckenbauer Weltmeister?
Wie viele Länderspiele bestritt Franz Beckenbauer?
Warum wurde Franz Beckenbauer der Kaiser genannt?
Quellen
FC](https://www.dfb.de/news/detail/beckenbauer-titel-pflastern-seinen-weg-258071
FC) Bayern München – Franz Beckenbauer, Ehrenpräsident und Vereinslegende/[https://fcbayern.com/en/club/fcb-club/franz-beckenbauer
FIFA](https://fcbayern.com/en/club/fcb-club/franz-beckenbauer
FIFA) – West Germany legend Franz Beckenbauer passes away/[https://www.fifa.com/en/news/articles/franz-beckenbauer-west-germany-bayern-munich-legend-dies-passes-away
Reuters](https://www.fifa.com/en/news/articles/franz-beckenbauer-west-germany-bayern-munich-legend-dies-passes-away
Reuters) – FIFA-Ethikverfahren wegen Verjährung eingestellt/[https://www.reuters.com/sports/soccer/beckenbauer-fifa-ethics-case-dropped-after-time-runs-out-2021-02-25/](https://www.reuters.com/sports/soccer/beckenbauer-fifa-ethics-case-dropped-after-time-runs-out-2021-02-25/)
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