Steffi Graf
geb. Stefanie Maria Graf
Deutsche Tennisspielerin, 22-fache Grand-Slam-Siegerin und Gewinnerin des Golden Slam
Lebenslauf
Stefanie Maria „Steffi“ Graf wurde am 14. Juni 1969 in Mannheim geboren und wuchs im nahe gelegenen Brühl auf. Ihr Vater Peter Graf brachte ihr bereits im frühen Kindesalter das Tennisspielen bei und konzentrierte sich später vollständig auf ihre sportliche Ausbildung. Ihre Mutter Heidi und ihr jüngerer Bruder Michael gehörten ebenfalls zum engen familiären Umfeld. Graf fiel früh durch außergewöhnliche Schnelligkeit, Konzentrationsfähigkeit und eine kraftvolle Vorhand auf. 1981 gewann sie als erste Deutsche den renommierten Nachwuchswettbewerb Orange Bowl in ihrer Altersklasse. Am 18. Oktober 1982 wurde sie im Alter von 13 Jahren als Profispielerin registriert.
Aufstieg an die Weltspitze
In den ersten Profijahren wurde Graf behutsam an die internationale Spitze herangeführt. Ihren ersten Titel auf der WTA Tour gewann sie 1986 in Hilton Head Island, wo sie im Finale Chris Evert besiegte. 1987 folgte bei den French Open der erste Grand-Slam-Triumph. Im Endspiel setzte sie sich gegen Martina Navratilova durch. Am 17. August 1987 übernahm Graf erstmals Platz eins der Weltrangliste. Sie blieb anschließend 186 Wochen ohne Unterbrechung an der Spitze, eine Bestmarke, die später von Serena Williams eingestellt wurde.
Grafs Spiel beruhte auf explosiver Beinarbeit, hoher Athletik und einer der wirkungsvollsten Vorhände der Tennisgeschichte. Besonders ihr Inside-out-Schlag aus der Rückhandecke setzte Gegnerinnen unter großen Zeitdruck. Auf der Rückhandseite verwendete sie meist einen tiefen Slice, der den Rhythmus veränderte und ihre Vorhand vorbereitete. Diese Verbindung aus Offensive, Verteidigung und Vielseitigkeit machte sie auf Sand, Rasen, Hartplatz und Teppich erfolgreich.
Der einzigartige Golden Slam von 1988
Die Saison 1988 wurde zum herausragenden Jahr ihrer Laufbahn. Graf gewann zunächst die Australian Open und verteidigte anschließend ihren Titel bei den French Open. Im Finale von Paris besiegte sie Natallja Swerawa in nur 32 Minuten mit 6:0 und 6:0. In Wimbledon bezwang sie Navratilova und holte ihren ersten Einzeltitel auf dem Rasen von London. Bei den US Open setzte sie sich gegen Gabriela Sabatini durch und vollendete damit den Grand Slam innerhalb eines Kalenderjahres.
Am 1. Oktober 1988 besiegte Graf Sabatini auch im olympischen Finale von Seoul und gewann die Goldmedaille im Einzel. Weil sie im selben Kalenderjahr alle vier Grand-Slam-Turniere und olympisches Gold errungen hatte, wurde ihre Leistung als Golden Slam bezeichnet. Dieses Kunststück ist im Einzel bis heute keiner anderen Person gelungen. Zusätzlich gewann Graf 1988 gemeinsam mit Sabatini den Wimbledon-Titel im Doppel und mit Claudia Kohde-Kilsch olympisches Bronze im Doppel.
Dominanz, Rivalitäten und weitere Titel
Graf blieb über mehr als ein Jahrzehnt eine prägende Spielerin des Frauentennis. Zu ihren wichtigsten Rivalinnen gehörten Martina Navratilova, Chris Evert, Gabriela Sabatini, Monica Seles und Arantxa Sánchez Vicario. Nach dem Aufstieg von Seles verlor Graf 1991 zeitweise die Spitzenposition, gewann jedoch weiterhin bedeutende Turniere. 1992 holte sie in Barcelona olympisches Silber im Einzel. Mit der deutschen Mannschaft gewann sie 1987 und 1992 den Federation Cup.
Insgesamt errang Graf 22 Grand-Slam-Titel im Einzel: vier bei den Australian Open, sechs bei den French Open, sieben in Wimbledon und fünf bei den US Open. Sie ist die einzige Person, die jedes der vier Major-Turniere mindestens viermal im Einzel gewann. Auf der WTA Tour sammelte sie 107 Einzeltitel. Ihre Karrierebilanz umfasst nach offizieller WTA-Zählung 900 Siege bei 115 Niederlagen. Insgesamt stand sie 377 Wochen an der Spitze der Weltrangliste und beendete acht Spielzeiten als Nummer eins.
Verletzungen, Steuerverfahren und Karriereende
In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre wurde Graf zunehmend von Knie-, Rücken- und Fußproblemen beeinträchtigt. Gleichzeitig geriet ihre Familie wegen nicht versteuerter Einnahmen in die Schlagzeilen. Ihr Vater Peter Graf wurde wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Das Ermittlungsverfahren gegen Steffi Graf wurde 1996 eingestellt, weil ihr keine Kenntnis von den Steuervergehen nachgewiesen werden konnte.
Trotz Verletzungen gewann Graf 1999 noch einmal die French Open. In einem dramatischen Finale besiegte sie die damalige Weltranglistenerste Martina Hingis und sicherte sich ihren 22. und letzten Grand-Slam-Titel. Wenige Wochen später erreichte sie das Wimbledon-Finale. Am 13. August 1999 erklärte die 30-Jährige ihren Rücktritt. Zu diesem Zeitpunkt stand sie noch auf Rang drei der Weltrangliste. 2004 wurde sie in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen.
Privatleben und soziales Engagement
Seit dem 22. Oktober 2001 ist Graf mit dem früheren US-Tennisspieler Andre Agassi verheiratet. Das Paar lebt in Las Vegas und hat zwei Kinder: den Sohn Jaden Gil und die Tochter Jaz Elle. Graf zog sich nach dem Ende ihrer Karriere weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Gelegentlich nimmt sie gemeinsam mit Agassi an Schaukämpfen und Veranstaltungen teil.
1998 gründete sie zusammen mit dem Kinderpsychiater Peter Riedesser die Stiftung Children for Tomorrow. Die Organisation unterstützt Kinder und Jugendliche, die durch Krieg, Flucht, Verfolgung oder organisierte Gewalt traumatisiert wurden. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und in weiteren Projekten erhalten Betroffene psychotherapeutische sowie psychosoziale Hilfe. Graf ist weiterhin Vorsitzende der Stiftung und beteiligt sich persönlich an ihrer Arbeit.
Bedeutung und Vermächtnis
Steffi Graf gilt als eine der erfolgreichsten und vielseitigsten Tennisspielerinnen der Geschichte. Der Golden Slam von 1988, ihre 22 Major-Titel und 377 Wochen als Nummer eins gehören zu den herausragenden Leistungen des internationalen Sports. Zusammen mit Boris Becker löste sie in Deutschland einen Tennisboom aus und machte den Sport in den 1980er- und 1990er-Jahren zu einem Massenereignis. Ihre aggressive Vorhand, die schnelle Beinarbeit und die Fähigkeit, auf jedem Belag zu gewinnen, beeinflussten das moderne Grundlinienspiel. Zugleich prägten Disziplin, Zurückhaltung und der Schutz ihres Privatlebens ihr öffentliches Bild. Ihr sportliches und soziales Wirken sichert ihr einen festen Platz in der deutschen und internationalen Sportgeschichte.
Lebens-Timeline
Zitate
I have done everything I wanted to do in tennis. I feel I have nothing left to accomplish.
Only after the war stops in their minds can the children find stability and embrace their new life.
Häufige Fragen
Wann und wo wurde Steffi Graf geboren?
Wie viele Grand-Slam-Titel gewann Steffi Graf?
Was ist Steffi Grafs Golden Slam?
Wie lange war Steffi Graf die Nummer eins der Welt?
Mit wem ist Steffi Graf verheiratet?
Quellen
International](https://www.wtatennis.com/legends/70044/steffi-graf
International) Tennis Hall of Fame – Stefanie Graf/[https://www.tennisfame.com/hall-of-famers/inductees/stefanie-graf
International](https://www.tennisfame.com/hall-of-famers/inductees/stefanie-graf
International) Olympic Committee – Steffi Grafs Golden Slam 1988/[https://www.olympics.com/ioc/news/steffi-graf-s-1988-golden-slam-an-unprecedented-achievement
Children](https://www.olympics.com/ioc/news/steffi-graf-s-1988-golden-slam-an-unprecedented-achievement
Children) for Tomorrow – Stiftung und Projekte/[https://www.children-for-tomorrow.com/en/the-foundation/](https://www.children-for-tomorrow.com/en/the-foundation/)
Offizielle Website
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