Die neue Mercedes-Benz S-Klasse – Eine umfassende Modellpflege

Die neue Mercedes-Benz S-Klasse

Die neue Mercedes-Benz S-Klasse – Eine umfassende Modellpflege

Exterieur – Überarbeitete Eleganz mit Abzügen in der B-Note

Das ist die neue Mercedes-Benz S-Klasse.

Rund 50% des Fahrzeugs wurden überarbeitet, um sicherzustellen, dass sie weiterhin als Inbegriff von Luxuslimousinen gilt.

Doch ob Mercedes dieses Ziel erreicht hat, bleibt aus meiner Sicht fraglich – und ich erläutere, warum.

Es handelt sich bei diesem S-Klasse-Modell nicht um eine vollständige Neuentwicklung, sondern vielmehr um das umfangreichste Facelift in der Geschichte der Marke.

Die komplette Frontpartie wurde neugestaltet. Charakteristisch sind nun die neuen Scheinwerfer mit dreizackigen Tagfahrlicht-Elementen – ein Detail, das durchaus zu gefallen weiß.

Weniger überzeugt mich hingegen der neue Kühlergrill. In der AMG Line ist dieser komplett in Schwarz gehalten, was in meinen Augen etwas plastikhaft wirkt.

Insbesondere die Integration des Radarsystems und der Autopilot-Sensoren wirkt wenig hochwertig. Optional ist eine Version mit Chromakzenten erhältlich, die insgesamt edler aussieht, aber auch dann bleibt der Eindruck des Kunststoffs bestehen.

Nur das klassische Mercedes-Stern-Emblem auf der Motorhaube vermittelt wirklich jenes exklusive Luxusgefühl, das man mit einer S-Klasse assoziiert.

Seitlich halten sich die Neuerungen in Grenzen: Die Felgendesigns, wie hier die 20-Zoll-Variante, sind neu gestaltet. Zudem wurden die Sensoren an den Kamerasystemen optimiert. Auch die AMG Line bringt sportliche Akzente und schwarze Fensterumrandungen – doch meiner Ansicht nach steht der S-Klasse verchromte Zierleisten einfach besser.

Ein echtes Manko bilden weiterhin die Türgriffe: Sie vermitteln haptisch keinen wirklichen Premium-Eindruck – eher wie ein unbefriedigender Handschlag, der in einer Luxuslimousine fehl am Platz wirkt.

Am Heck fallen die Änderungen großzügiger aus. Alles, was nicht aus Blech besteht, ist neu, wobei insbesondere die Lichtsignatur mit ihren dezenten Stern-Elementen einen Fortschritt gegenüber dem Vorgängermodell darstellt und deutlich hochwertiger wirkt. Auch der hintere Stoßfänger wurde redesignt; das Heck wirkt insgesamt stimmiger als die Front, wobei jedoch die recht offensichtlichen Abgasblenden auffallen – immerhin sind tatsächliche Endrohre verbaut.

Am elegantesten präsentiert sich die S-Klasse in der Seitenansicht; die Gestaltung der Front trübt den Gesamteindruck etwas.

Interieur – Digitale Innovationsschübe und gemischte Materialqualität

Im Innenraum ist der größte Wandel sofort sichtbar: Das neue Cockpit-Layout inklusive „Superscreen“ – einer vollständig integrierten Infotainment-Anzeige mit zusätzlichem Bildschirm für den Beifahrer. Dieses Feature ist serienmäßig und markiert einen deutlichen Fortschritt gegenüber dem Vorgängermodell.

Dazu kommt eine gestochen scharfe, digitale Fahreranzeige, die individuell anpassbar ist und eine deutlich intuitivere Menüführung bietet als etwa bei der aktuellen BMW 7er Reihe.

Die Materialauswahl wurde überarbeitet: Mehr neue Zierteile, ein erweitertes Farbangebot – inklusive einem stilvollen Grün, das besonders hervorsticht. Zudem gibt es nun auch eine vegane Interieuroption – wobei für eine S-Klasse nach wie vor Leder der Standard sein sollte.

Die Mittelkonsole ist ebenfalls neu konzipiert und verfügt über eine kabellose Ladefunktion für das Smartphone mit bis zu 50 Watt Leistung und integrierter Belüftung gegen Überhitzung. Weitere Staufächer, Becherhalter und mehrere USB-C-Anschlüsse sorgen für zeitgemäßen Komfort. Das Handschuhfach hingegen ist weniger tief als es von außen scheint, die Türtaschen sind von durchschnittlicher Größe.

Auch bei den Sitzen wurden neue Bezugsstoffe eingeführt, am Sitzaufbau selbst änderte sich jedoch wenig. Die Sessel wirken einen Tick härter als in der 7er-Reihe von BMW, trotz des bequemen Kissens. Insgesamt könnte das Gefühl von Hochwertigkeit und Exklusivität hier noch etwas stärker ausgeprägt sein – einige Kunststoffbauteile wirken eher schal und vermitteln keinen vollumfänglichen Premiumeindruck.

Infotainment – Starke Bedienbarkeit mit kleineren Schwächen

Mercedes setzt bei der neuen S-Klasse auf das neueste Infotainmentsystem, das mit brillantem Layout, klaren Menüs und ansprechender Grafik überzeugt. Besonders praktisch: ein zentral angeordneter Button ermöglicht es, sämtliche Systeme schnell abzuschalten – ein Detail, das gefällt. Die Bedienung sämtlicher Fahrzeugfunktionen über logisch strukturierte Apps ist übersichtlich und intuitiv, das umfangreiche Ambiente-Lichtprogramm lässt sich einfach individualisieren.

Anders als bei vielen anderen Modellen setzt Mercedes noch auf klassische Luftausströmer, die haptisch manuell in ihrer Richtung verstellt werden – ein angenehmer Bezug zur Tradition.

Lediglich kleinere Verzögerungen bei der Reaktionsgeschwindigkeit des Systems fallen negativ auf – für ein brandneues System ist das verbesserungswürdig.

Rücksitzkomfort & Laderaum – Business-Class-Feeling mit Einschränkungen

Im Fond fallen die Updates unscheinbarer aus: Überarbeitet wurden das Design der Mittelkonsole und der Luftausströmer, die Becherhalter lassen sich jetzt auch passend temperieren. Optional stehen größere Rückseitenbildschirme zur Verfügung, die jedoch wegen ihres dicken Rahmens etwas altbacken wirken.

Das hier präsentierte Modell verfügt über die exklusive Doppelsitzanlage im Fond, die echtes First-Class-Feeling vermittelt – alternativ ist auch eine klassische Dreierbank erhältlich. In der Praxis bietet die Luxusvariante zusätzliche USB-Ports, ein kabelloses Ladepad (dessen Gestaltung allerdings Platz verschwendet), großzügige Türtaschen und hochwertige Ablagetaschen an den Rückenlehnen. Eine anpassbare Fußstütze sorgt ebenfalls für gehobenen Komfort. Dennoch vermitteln auch die Rücksitze weniger Weichheit als jene der 7er-Reihe von BMW – doch auf hohem Niveau.

Die Bedienung der Bildschirme im Fond gelingt dank neuer Controller deutlich leichter als bisher: Massagefunktionen, Ambientelicht oder Sonnenblenden lassen sich damit bequem steuern – trotz gelegentlicher Verzögerungen im Betrieb.

Optional lässt sich – je nach Ausstattung – sogar ein Kühlschrank im Fond integrieren; der Kofferraum selbst fasst bis zu 530 Liter im Normalmodell. Beim Plug-in-Hybrid reduziert sich das Volumen auf 345 Liter, bedingt durch den Batterieeinbau – das verkleinert den nutzbaren Raum spürbar.

Fünf kleinere Kritikpunkte

Es gibt jedoch einige Details, die weniger überzeugen:

– Die Neigung der Rücksitzdisplays erschwert das optimale Bedienen.

– Elektrisch schließende Fondtüren – wie bei BMW – sind nicht verfügbar; die weit öffnenden Türen erfordern einen großen Ausstiegsspielraum.

– Die Kurzversion der S-Klasse wird im Vereinigten Königreich nicht angeboten, dort ist nur die Langversion erhältlich.

Panoramadach & Qualitätsanmutung: Licht und Schatten

Eine oft gestellte Frage betrifft das Schiebedach:

Warum lässt sich für die neue S-Klasse kein durchgehendes Panoramaglasdach bestellen? Wieso gibt es diese auffällige Trennung durch einen Querträger?

Zwar ist die strukturelle Stabilität einleuchtend, doch andere Hersteller bieten ebenfalls vollflächige Glasdächer an, die sich öffnen lassen – ein klarer Kritikpunkt an Mercedes. Hinzu kommen im Alltag kleinere Unstimmigkeiten:

So fahren die Türgriffe manchmal nicht synchron aus, und selbst bei den elektrischen Sonnenrollos kann es zu Aussetzern kommen, wie etwa ein plötzliches Stoppen auf halbem Weg. Erst nach Verriegeln und Entriegeln des Fahrzeugs laufen sie wieder ordnungsgemäß.

Luxuriöse Konnektivität & Komfortdetails

Zur First-Class-Ausstattung im Fond gehören klappbare Arbeitstische, die sich komfortabel in Position bringen lassen – allerdings fehlt ihnen etwas an Stabilität, sodass sie beim Arbeiten leicht schwingen. Das große zentrale Display vorne besticht durch brillante Auflösung, ist aber stark reflektierend – je nach Sonnenstand kann dies zu störenden Spiegelungen und Lichtreflexen führen.

Besonders eindrucksvoll präsentiert sich das optionale Head-up-Display. Es verfügt über Augmented-Reality-Navigation direkt im Sichtfeld des Fahrers – allerdings erfordert es einen auffällig großen Ausschnitt im Cockpit, der an ein Spülbecken erinnert. Neu ist auch eine sichtbare HD-Kamera auf dem Armaturenbrett.

Fünf Highlights der S-Klasse – Innovationen für die Oberklasse

1. Business- und Konferenzfähigkeit:

Im Fond sind erstmals hochauflösende Kameras in den Bildschirmen integriert – ideal für Videokonferenzen beispielsweise via Microsoft Teams, sodass selbst auf längeren Fahrten produktive Meetings bequem möglich sind, sowohl vorne als auch hinten.

2. Beheizbare Sicherheitsgurte:

Nicht nur Sitze, Lenkrad, Mittel- und Türarmlehnen sind beheizbar, sondern auch die Front-Sicherheitsgurte können jetzt warm gestellt werden – ein bisher einmaliges Komfortdetail.

3. Fortschrittliches Luftfiltersystem:

Durch ein innovatives Luftionisationssystem wird die Innenraumluft in lediglich 90 Sekunden komplett gereinigt, was zu einer konstanten Wohlfühlatmosphäre beiträgt.

4. Umfangreiches Sicherheitsnetz:

Die S-Klasse ist mit einer ganzen Armada an Assistenz- und Sicherheitssystemen ausgerüstet: zahlreiche Luftkissen (Airbags), mehrere Außenkameras, fünf Radarsensoren und zwölf Ultraschallsensoren erlauben hochentwickelte Fahrerassistenz bis hin zum (zukunftsfähigen) automatisierten Fahren. Die aktuelle Gesetzeslage limitiert autonome Fahrt zwar noch – für das modernste Parksystem auf dem Markt allerdings genügt bereits die jetzige Ausstattung:

Das Fahrzeug erkennt, noch bevor es an Parklücken vorbeifährt, freie Stellplätze per Kameras und Sensoren. So kann die S-Klasse gewünschte Plätze vorschlagen und wählt auf Knopfdruck eigenständig Ein- oder Ausparkmanöver – inklusive Rundumsicht, Hinderniserkennung und Berücksichtigung des Bordsteins.

5. Vernetzte Fahrwerkssteuerung:

Dank Cloud-basierter Fahrwerkskommunikation informiert jedes Fahrzeug zentral über Straßenunebenheiten. Erkennt die S-Klasse eine Bodenwelle, werden über die Cloud andere Fahrzeuge vorgewarnt und das Fahrwerk stellt sich darauf ein – eine zukunftsweisende Technologie, die perspektivisch in vielen Mercedes-Modellen zum Standard werden soll.

Fahreindruck – Souveränität trifft Zukunft

Im Fahrbetrieb überzeugt die S-Klasse nach wie vor durch absolute Souveränität. Besonders die Plug-in-Hybridvarianten verbinden einen Reihensechszylinder sowie Elektromotoren zu einer Systemleistung von über 500 PS – wahlweise als Diesel, Benziner, Plug-in-Hybrid und (in den USA) sogar als V8-Benziner.

Im Alltag fährt sich die S-Klasse im E-Modus angenehm ruhig und fast lautlos – die Luftfederung absorbiert Bodenunebenheiten souverän. Die Geräuschdämmung im Innenraum ist so gut, dass nahezu kein Außenlärm eindringt. Die Vielzahl an technischen Features – insbesondere AR-Navigation und Head-up-Display – sorgen dabei für höchste Orientierungssicherheit; der Wechsel zwischen Elektro- und Verbrennungsantrieb erfolgt für die Insassen nahezu unbemerkt.

Selbst komplexe Verkehrssituationen – Ampelstarts, Stop-and-Go oder dichte Rush-Hour – meistert die S-Klasse mit beeindruckender Gelassenheit:

Die Fahrassistenten halten automatisch Abstand, verzögern und beschleunigen sanft und nehmen dem Fahrer so viel Arbeit ab. Sobald gesetzlich zugelassen, ermöglicht die Hard- und Software sogar komplett autonomes Fahren und eigenständigen Spurwechsel auf der Autobahn.

Die Abstimmung von Chassis und Lenkung blieb gegenüber der Vorgängervariante unverändert, da das System bereits auf höchstem Niveau operiert und diesem „magischen Teppichgefühl“ kaum etwas hinzuzufügen ist – auf längeren Strecken vermittelt die S-Klasse somit einen nochmals gesteigerten Reisekomfort gegenüber dem BMW 7er, wobei das Handling für eine große Limousine sehr präzise und sicher bleibt.

Preisniveau

Bei einem Einstiegspreis von über 100.000 Pfund (je nach Ausstattung und Motorisierung bis zu ca. 140.000 Pfund) befindet sich die neue S-Klasse weiterhin im oberen Luxussegment. Angesichts der Vielfalt moderner Technik- und Komfortfunktionen bleibt der Preis im Segment jedoch konkurrenzfähig.

Fazit – Perfekte Technik, Kompromisse beim Luxusgefühl

Die neue S-Klasse besticht als Fahrerauto mit unerreichter Fahrkultur und technischer Innovationskraft und setzt in vielerlei Hinsicht Maßstäbe für die Oberklasse.

Allerdings trüben einige Details – etwa vereinzelte Materialanmutungen, etwas plastikhaft wirkende Außenelemente und kleinere Schwächen bei den Komfortfunktionen – das Gesamtbild. Es wirkt, als hätten die Ingenieure ein nahezu perfektes Technikkonzept abgeliefert, das an gewissen Stellen aber von Sparmaßnahmen beeinflusst worden ist.

Während die S-Klasse somit für Technikenthusiasten und Vielfahrer eine der besten Limousinen überhaupt bleibt, könnte so mancher Kunde, der kompromisslosen Luxus und höchste Materialgüte sucht, bei Alternativen wie dem aktuellen BMW 7er etwas mehr Wertigkeit vorfinden.


Beitrag veröffentlicht:

in

,

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert