Neom in Saudi-Arabien: Insider berichtet über Probleme beim Milliardenprojekt der Zukunft
Das gigantische Zukunftsprojekt Neom in Saudi-Arabien sollte einst als eine der beeindruckendsten Städte der Welt entstehen. Geplant war eine hochmoderne, klimaneutrale Metropole mitten in der Wüste. Heute mehren sich jedoch die Berichte über finanzielle Schwierigkeiten, technische Probleme und erhebliche Rückschläge.
Viele internationale Fachkräfte, darunter auch zahlreiche Australier, wurden mit außergewöhnlich hohen Gehältern angeworben, um an dem Projekt mitzuarbeiten. Doch inzwischen haben viele von ihnen ihre Arbeitsplätze verloren.
Nun berichtet ein ehemaliger Insider über seine Erfahrungen und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen des Projekts.
Neom wurde als eine Revolution der modernen Zivilisation vorgestellt. Im Mittelpunkt stand „The Line“, eine futuristische Stadt aus zwei spiegelnden Wolkenkratzern, die sich über 170 Kilometer durch die saudische Wüste erstrecken sollten. Geplant war Wohnraum für rund neun Millionen Menschen.
Das Projekt galt als eines der ehrgeizigsten Bauvorhaben der Welt. Unterstützt wurde es von der Vision 2030 des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, die das Land wirtschaftlich modernisieren und unabhängiger vom Öl machen soll.
Ein ehemaliger australischer Mitarbeiter beschreibt die anfängliche Begeisterung für das Projekt. Er erklärte, dass die Aufgabe wie eine einmalige Gelegenheit gewirkt habe, etwas Außergewöhnliches zu schaffen. Zusätzlich seien sehr hohe Gehälter angeboten worden.
Aus Sicherheitsgründen möchte der Hinweisgeber jedoch anonym bleiben. Seine Aussagen wurden deshalb in einer nachgestellten Interviewform veröffentlicht.
Nach seinen Angaben basierten die spektakulären Entwürfe von „The Line“ hauptsächlich auf futuristischen Konzeptzeichnungen. Die notwendige Technologie für die tatsächliche Umsetzung habe jedoch nicht existiert.
Er behauptet, dass die ursprünglichen Entwürfe von einem Architekten aus Großbritannien stammten, der die Aufgabe erhalten habe, etwas völlig Neues zu entwerfen. Es habe jedoch keine vollständigen architektonischen oder bautechnischen Planungen gegeben.
Der Insider erklärte weiter, dass er die Verantwortlichen mehrfach darauf hingewiesen habe, dass einige der geplanten Science-Fiction-Konzepte technisch nicht umsetzbar seien. Seine Warnungen seien jedoch nicht berücksichtigt worden.
Besonders kritisch äußerte er sich über die politische Situation im Land. Laut seinen Aussagen sei es praktisch unmöglich gewesen, dem Kronprinzen Mohammed bin Salman zu widersprechen. Das Projekt sei als persönliches Vorhaben des Kronprinzen betrachtet worden.
Der ehemalige Mitarbeiter beschrieb die Atmosphäre mit den Worten, dass niemand offen sagen konnte, ein Ziel sei nicht erreichbar. Aus seiner Sicht habe die politische Struktur des Landes offene Kritik kaum zugelassen.
Im Zusammenhang mit Mohammed bin Salman verwies der Bericht außerdem auf die internationalen Vorwürfe bezüglich der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in der Türkei.
Doch nicht nur „The Line“ soll von Problemen betroffen sein. Auch weitere prestigeträchtige Projekte innerhalb von Neom stehen laut dem Bericht vor großen Herausforderungen.
Dazu gehört unter anderem „The Cube“, ein geplanter riesiger Wolkenkratzer. Ebenfalls betroffen sei das futuristische Skigebiet Trojena, das ursprünglich Austragungsort der Asiatischen Winterspiele 2029 werden sollte. Laut dem Bericht soll die Veranstaltung inzwischen nach Kasachstan verlegt werden.
Ein weiteres Projekt ist Sindalah, das erste Luxusresort Saudi-Arabiens am Roten Meer. Nach Angaben des Insiders verlief die feierliche Eröffnung problematisch. Berichten zufolge habe sich die Decke teilweise gelöst, wodurch mehrere anwesende Minister verletzt worden seien.
Nur eine Woche später sei die Anlage geschlossen worden. Kurz darauf sei auch der Geschäftsführer verschwunden. Nach Aussagen von Mitarbeitern werde vermutet, dass er unter Hausarrest stehen könnte. Eine offizielle Bestätigung dafür liegt jedoch nicht vor.
Der ehemalige Mitarbeiter berichtete außerdem von einem Klima der Überwachung. Viele Beschäftigte hätten Angst gehabt, beobachtet zu werden. Nach seinen Aussagen seien Gespräche überwacht worden und Kameras hätten sich nahezu überall befunden.
Selbst anonym äußert der Insider weiterhin Sorgen um mögliche Konsequenzen. Zwar lebt er inzwischen wieder in Australien, dennoch befürchtet er mögliche Auswirkungen auf zukünftige Reisen in Länder des Nahen Ostens.
Er äußerte die Sorge, auf Beobachtungslisten gesetzt zu werden, was zu Einreiseverboten oder anderen Problemen führen könnte.
Abschließend sprach er eine deutliche Warnung an andere Australier aus, die ähnliche Stellenangebote in Saudi-Arabien in Betracht ziehen. Seiner Ansicht nach sollten Bewerber die Risiken genau abwägen.
Er erklärte, dass die hohen Gehälter oft den Eindruck erwecken würden, eine außergewöhnliche Chance zu erhalten. Später könne jedoch das Gefühl entstehen, einen hohen persönlichen Preis dafür zu zahlen.
Die Zukunft von Neom bleibt damit ungewiss. Während die saudische Regierung weiterhin an ihrer Vision einer modernen Zukunftsstadt festhält, werfen die Aussagen des Insiders Fragen über die tatsächliche Umsetzbarkeit und die langfristigen Perspektiven des milliardenschweren Megaprojekts auf.




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